Dagobert I., Jehan Duseigneur, 1836-1839, Versaille, Bildquelle:www.wga.hu/art/d/duseigne/dagobert.jpg
Dagobert I., Sohn von König Chlothar II., wurde 608/610 geboren und starb am 19. Januar 638/639 in Epinay-sur-Seine. Er war der letzte wirklich regierende und bedeutende Merowinger. Ab 623 regierte er als Unterkönig über Austrasien (Austrien, Land im Osten), den östlichen Teil des Frankenreiches. Dieses Gebiet umfasste die Bereiche um Rhein, Maas und Mosel, die Orte Reims, Köln und Trier mit Einflüssen bis nach Thüringen und Bayern. Hauptstadt von Austrasien war Metz. Nach Karl dem Großen wurde aus Austrasien Deutschland.

Dagobert I. war seit 629 König der Franken. Seine Residenz war Paris. Während seiner Herrschaft errichtete er die Burg Meersburg in Meersburg am Bodensee (Dagobertsturm). Als sehr religiöser Herrscher war er verantwortlich für die Gründung vieler Klöster und Kirchen im ganzen Reich, darunter auch die Basilika Saint-Denis nördlich von Paris. Das ehemalige Reichskloster Klingenmünster bei der Burg Landeck wurde während der Regierungszeit Dagoberts (626) errichtet und zeugt von dem Einfluss des merowingischen Herrschers im heutigen Rheinland-Pfalz.

Er heiratete viermal, sein einziger ehelicher Sohn war König Chlodwig II. (634-657). Als erster fränkischer König wurde er in der königlichen Grablege von St. Denis begesetzt.

Unser Gruppenname "König Dagobert - Sagenhaftes Mittelalter" ist eine Hommage an den pfälzischen Schriftsteller August Becker und erinnert an sein bekanntes Versgedicht um den sagenhaften Merowingerkönig. Um diesen frühmittelalterlichen Herrscher, der auch als "guter König Dagobert" bezeichnet wird, ranken sich viele Legenden in der Pfalz. In diesem Geiste wollen wir ein Bild des Mittelalters darstellen, welches gleichwohl einen stimmigen historischen Rahmen bietet, doch auch Raum für Träume und Mythen läßt.




König Dagobert auf Burg Landeck

Zu Landeck auf der Feste saß König Dagobert,
auf seinem Haupt die Krone, in seiner Hand das Schwert,
in seinem Aug` die Strenge, in seinem Mund das Recht;
so harret seinem Urteil das fränkische Geschlecht.
Und mitten in der Mannen stolz ritterlicher Kreis
tritt da herein ein Bauer mit Locken silberweiß;
doch stark sind seine Arme und jung ist noch sein Herz
und frisch sind seine Augen und frisch sein Weh und Schmerz.-
„Du hast den Arm erhoben“, hub streng der König an,
„gen meiner Ritter einen in Frevelmut und Wahn!
Das sollst Du, Alter, büßen, was du dich unterstanden,
die Edeln soll man ehren und in allen meinen Landen!“
„Ich hab` den Arm erhoben, Herr König, das ist wahr,
weil ich des Kindes Ehre gesehen in Gefahr,
weil mir der Herren einer die Tochter wollte rauben,
und daß ich tat ein Übel, das möcht ich nimmer glauben.“
Das sprach der greise Bauer. Die Herren blicken wild,
der König aber neigte sich zum dem Alten mild:
„Und was du nicht willst glauben, das ist auch nimmer gut;
geh` heim, du treuer Vater, du wackres Bauernblut!“ –


Zu Landeck auf dem Schlosse saß König Dagobert
Auf seinem Haupt der Schlachthelm, in seiner Hand das Schwert;
Die Grafen und die Herren, die stürmen wild heran,
den König heut` zu beugen in ihrem stolzen Wahn.
Und um den alten Herrscher steht treu die Bauernschaft.
Den König zu beschirmen in alter , deutscher Kraft.
Und mancher stolze Schädel ward da im Nu gespalten,
die Bauern stark und edel, die starben für den Alten.


Das Tor ist eingebrochen , das Dach erglüht in Brand,
es beben alle Mauern, es dröhnte jede Wand.
Da tritt hervor zum König derselbe Bauerngreis:
„Herr König, laßt Euch retten auf Wegen, die ich weiß!“
Er hat ihn wohl geführet durch Wälder hoch und dicht;
Und ob man ihm nachspüret, - den König fand man nicht.
Er schlief gar wohl geborgen bei seinen Bauern dort.
Bald kam ein schön`rer Morgen, da zog der König fort.


Zur Landeck auf dem Throne saß der König Dagobert,
auf seinem Haupt die Krone, in seiner Hand das Schwert,
in seinem Blicke Milde, in seinem Mund das Recht,
so harret seinem Urteil das fränkische Geschlecht.
„Ihr lieben treuen Bauern ! Ihr seid das beste Blut!
Zu allen meinen Ehren hob mich nur euer Mut.
Drum sollt Ihr in mir sehen stets einen güt`gen Herrn,
und was ich euch kann geben, geb ich als Vater gern!“
Der König sprach`s, die Schreiber , die schrieben`s treulich auf:
„Vom Donnersberg bis Straßburg im Lande weit hinauf
sei von euren Erben für Ewigkeit geschenkt
der Wald, wo ich geborgen, damit ihr mein gedenkt.“
Viel Fürsten sind gestorben am Rheine seit der Zeit;
Man hat ihr Grab mit Wasser, - mit Tränen nicht geweiht,
ein einz`ger bleibet ewig den Pfälzer Bauern wert:
Das ist der „gute König“ , der alte Dagobert!


August Becker
König Dagobert I. 608/610-638/639